Wie du für deinen Hund (wieder) spannend wirst.

Du möchtest, dass dein Hund sich nach dir umdreht, sobald du ihn rufst? Du hättest gern, dass er tatsächlich zurück kommt, wenn du ihn darum bittest? Zunächst einmal muss man sagen, dass Hunde völlig anders ticken als wir Menschen. Du magst es vielleicht in der Sonne auf einer Blumenwiese zu liegen und den Vögeln beim Fliegen zu zu schauen. Dein Hund weiß meist besseres auf dieser Wiese zu tun – Maulwürfe ausbuddeln, oder sich in Hundehaufen wälzen zum Beispiel.

Dieses oftmals konträre Verständnis von „das mag ich“ sorgt nicht selten für Konflikte zwischen Mensch und Hund. Du bittest deinen Hund vielleicht sich neben dich in die Blumenwiese zu legen und den Vögeln beim Fliegen zu zu schauen, dein Hund jedoch kann nicht verstehen, warum du es nicht mindestens genau so spannend findest wie er, dich in den Hinterlassenschaften anderer Hunde zu suhlen.

Die Vorstellungen deines Hundes mit den deinen zu vereinbaren ist also der womöglich beste Weg zu einem Miteinander, bei dem sowohl du als auch dein Hund glücklich ist.

Am besten gelingt das, wenn du die Bedürfnisse deines Hundes kennst und taktisch einsetzen kannst. So wirst und bleibst du spannend.

 

Bedürfnisse benennen

Kennst du die Bedürfnisse deines Hundes auf Spaziergängen? Weißt du was er mag und was er nicht mag, wenn ihr unterwegs seid?

Nicht so genau? Kein Problem. Dann denk am besten einmal darüber nach und lege eine Bedürfnisliste für deinen Hund an.

Hier schreibst du die “Top 15 deines Hund unterwegs” untereinander auf.

 

So eine Liste kann zum Beispiel so aussehen:

1. Rehe jagen

2. Katzen aufscheuchen

3. Mülleimer ausräumen

4. stundenlang an Pinkelstellen stehen

5. Nachbars Kaninchen anschauen

6. Stöcke zerkauen

7. nach Maulwürfen buddeln

8. durch den Springbrunnen im Park springen

9. mit anderen Hunden über die Wiese rennen

10. an deine Hand stupsen, um noch ein Leckerli zu bekommen

11. Rehspuren nachschnüffeln

12. dich fangen dürfen

13. Papiertaschentücher zerrupfen

14. Brombeeren von den Zweigen ziehen

15. den Komposthaufen deines Nachbarn checken

 

Wozu wir diese Liste benötigen erkläre ich dir.

 

Bedürfnisse befriedigen

Stell dir die folgende Situation einmal vor:

 

Du arbeitest mit 3 Kollegen in einem Büro zusammen.

Kollegin 1 ruft dich immer dann, wenn sie dir genervt von einem anstrengenden Kunden erzählen möchte. Kollege 2 ruft dich immer dann, wenn er möchte, dass du kurz zu ihm kommst, obwohl du gerade konzentriert in deiner Arbeit steckst. Kollege 3 ruft dich immer dann, wenn er mal wieder einen Witz gelesen hat, ein lustiges Bild im Internet gefunden hat, was er dir gern zeigen möchte, oder dir ein Stück Kuchen mitgebracht hat, was er dir gern übergeben möchte.

 

Beim Rufen welches Kollegen wirst du wohl gern von deinem Schreibtisch hochschauen und bei welchem Rufen eher versuchen deine Tarnkappe aus der Schublade zu ziehen?

 

Ich denke der Fall ist klar.

 

Je mehr Bedürfnisse durch jemanden erfüllt werden und je mehr positiv empfundene Dinge jemand für uns tut, desto lieber werden wir uns mit dieser Person umgeben oder treffen wollen. Das geht unseren Hunden nicht anders.

Auch Hunde haben Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen, sollen und müssen. Je mehr du davon für deinen Hund bereit halten kannst, desto spannender wirst du für deinen Hund und das wiederum hat zur Folge, dass dein Hund schneller schaut, wenn du ihn rufst und natürlich auch schneller zu dir gelaufen kommt.

 

Bedürfnisse als Belohnung nutzen

Zurück zu unserer Bedürfnisliste.

Sortiere die aufgeschriebenen Hobbys deines Hundes nach Wertigkeit.

So ist das Ausräumen von Mülleimern vielleicht nicht so viel wert für deinen Hund wie Rehspuren nach zu schnüffeln und rutscht auf deiner Liste somit weiter hinunter.

Nun setzt du vor jeden Punkt, den du mit deinem Hund gemeinsam erleben kannst, oder den du deinem Hund aktiv ermöglichen kannst, einen kleinen Stern. Diese Bedürfnisse kannst du also ab sofort mit deinem Hund gemeinsam erleben und als Belohnung einsetzen.

Kommt dein Hund auf dein Rufen aus einem Hundespiel zurück findet er es sicher schön mit dir noch ein kleines Zergelspiel machen zu dürfen anstatt einen Keks ins Maul geworfen zu bekommen, um dann schließlich angeleint und weggebracht zu werden.

Spielt dein Hund gern mit dir, diesem Spielzeug, in dieser Situation – so wird er deinen Rückruf aus einem Hundespiel zukünftig viel lieber zeigen, weil du spannend für deinen Hund bist und seine Spiellaune befriedigst.

Wichtig hierbei ist einzig und allein, dass du die jeweils passende Belohnung für deinen Hund in der jeweiligen Situation findest.

Hat dein Hund also gerade mit Hunden gespielt, ist aktuell völlig fertig, hechelt, kommt zu dir und legt sich erschöpft neben dich wird er deine gut gemeinte Zergelbelohnung mit hoher Wahrscheinlichkeit dankend ablehnen. Setzt du dich hingegen neben ihn, bietest ihm Wasser an und kraulst ihn an seiner Lieblingsstelle wird er dies sicher belohnender empfinden.

Versuche also variabel in deinen Belohnungen zu bleiben und passe diese an die jeweiligen Situationen und Motivationen deinen Hundes an.

 

wie ihr gemeinsam Rehe jagt

Natürlich gibt es auch Grenzen des Machbaren, bei der Umsetzung der Hobbyliste. So kannst du deinen Hund natürlich keine Rehe hetzen lassen und ob du deinem Hund erlaubst sich in Haufen zu wälzen halte ich auch für zweifelhaft. Du kannst jedoch versuchen ähnliche Dinge zu finden und als Belohnung für deinen Hund einsetzen.

So kannst du dir zum Beispiel mittels eines kleinen Teleskopstils und eines Fellspielzeuges eine Hetzangel basteln, mit der du deinen Hund belohnen kannst, wenn er dem Reh oder der Katze nicht hinter her gerannt ist. Du befriedigst somit das Hetzbedürfnis deines Hundes konstruktiv. Er lernt „Rehe jagen nein“, aber „anschauen und sich dann zu dir umdrehen und Spielzeug hetzen ist ok“. Probier es mal aus.

 

Alternativen zu unmöglich geglaubten Bedürfnissen

Anhand meiner Beispielliste möchte ich nun mit dir mögliche Belohnungen erstellen, die für dich gut umsetzbar und für deinen Hund recht funktionsnah zum tatsächlichen Bedürfnis sind.

 

  •  Rehe jagen (lass deinen Hund ein Fell an der Angel hetzen)
  • Mülleimer ausräumen (bastle deinem Hund eine Mülltüte, die er unterwegs ausräumen darf)
  • Nachbars Kaninchen anschauen (stell das Anschauen unter Signal und setze es als Belohnung ein)
  • Stöcke zerkauen (finde spannende Stöcke für deinen Hund und biete sie ihm, nachdem du ihn gerufen hast, an)
  • durch den Springbrunnen im Park springen (Mag dein Hund Wasserflaschen? Prima, dann mag er vielleicht alternativ, wenn er durch den Strahl der Wasserflasche laufen darf)
  • mit anderen Hunden über die Wiese rennen (schicke ihn als Belohnung für einen erfolgreichen Rückruf zurück ins Hundespiel oder spielt gemeinsam)
  • Rehspuren nachschnüffeln (geht gemeinsam Spuren hinterher – vielleicht findest du die spannenden Spuren eines Wildwechsels ja vor deinem Hund)
  • Papiertaschentücher zerrupfen (nimm dir einige Taschentücher mit und biete sie deinem Hund als Belohnung an)
  • Brombeeren von den Zweigen ziehen (stecke kleine Früchte an einen kleinen Stock und lass deinen Hund zur Belohnung das Obst abpflücken)

 

Der Spaziergang mit deinem Belohnungskoffer

Natürlich ist es nicht nötig jeden Tag das komplette Repertoire an Belohnungen für deinen Hund dabei zu haben. Der Alltag muss eben auch für dich schön und vor allen Dingen machbar sein.

Bleibe spannend für deinen Hund. Vielleicht lässt du dir 2x pro Woche eine neue tolle Belohnungsidee für deinen Hund einfallen, wie ein neues Spielzeug,  Leberwurst oder Frischkäse in der Tube oder einen gefüllten KONG als Belohnung für einen super schweren Rückruf.. Benenne doch einfach einige  Umweltbelohnungen für deinen Hund wie buddeln, schnüffeln, Futter / Spielzeug hetzen, wälzen, … und setze diese als Belohnung ein.

 

... das Wichtigste zum Schluss

Rufe deinen Hund nicht permanent. Dein Rufen wird ohne darauf folgende positive Konsequenz in Form eines angebotenen Spielzeuges oder Futters bedeutungslos und führt dazu, dass dein Hund immer weniger schauen wird, wenn du ihn zukünftig rufst.

Lass deinen Hund auch einfach mal Hund sein, der seinen Bedürfnissen nachgehen kann. Ein Hund möchte seine Bedürfnisse ausleben - gib ihm in einem machbaren Rahmen die Möglichkeit dazu.

 

Fazit

Spannend für deinen Hund zu sein ist Fleißarbeit. Es erfordert einige Überlegungen zu den speziellen Bedürfnissen deines Hundes und ein klein wenig mehr Aufwand diese passenden Belohnungen entweder dabei zu haben, oder Umweltbelohnungen unter Signal zu stellen.

Investierst du ein wenig Zeit und Mühe in dein Belohnungsrepertoire und lässt deinen Hund auch einfach mal Hund sein, werdet ihr demnächst entspannt spazieren gehen können und dein Hund schaut nach dir, wenn du ihn rufst.

 

in diesem Sinne alles Liebe

 

eure Nadine von Pferd (H)und Mensch


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