Warum es so entscheidend ist mit WAS du dein Pferd belohnst.

Dass Pferde mit Futter belohnt werden sollten, damit ein gewünschtes Verhalten zuverlässig erneut auftritt, ist Menschen, welche über positive Verstärkung arbeiten meist klar. Die Nahrungsaufnahme stellt für Pferde eine sehr elementare Tätigkeit dar, so verbringen Pferde die meiste Zeit ihres Lebens mit fressen. Sehr naheliegend ist der häufige Trugschluss es wäre egal was wir unseren Pferden als Belohnung für erwünschtes Verhalten anbieten. Doch weit gefehlt - Pferde haben ebenso wie wir Vorlieben und eigene Präferenzen, die es zu kennen und zu beachten gilt. 

Futter ist Futter - er frisst alles!

Er frisst alles? Ok, vielleicht. Aber Futter ist Futter? Das ist definitiv ein Trugschluss. So nehme ich auch gern jeden Geldschein, aber 500€ sind mir lieber als 5€. Auch Pferde nehmen unterschiedliches Futter unterschiedlich gern und machen für sich eine interne Kosten-Nutzen-Rechnung. Verhaltensökonomie nennt man diese Rechnung. So kann es gut sein, dass dein Pferd deutlich motivierter, zügiger und prompter einen Agilityparcours durchläuft, wenn es statt  z.Bsp. mit Heucobs nun mit frischen Möhren belohnt wird. Die ganze Anstrengung lohnt sich also nun plötzlich für dein Pferd um ein Vielfaches mehr und es wird den nächsten Durchgang gern mit dir bestreiten. Dazu später mehr.

beliebtes und weniger beliebtes Futter - eine Sache für Individualisten 

Es lässt sich nicht pauschal sagen, welches Futter bei Pferden als generell höherwertig eingestuft wird. Jedes Pferd hat seine eigenen Vorlieben. So landen Heucobs, Hafer, Pellet, Möhren, Äpfel und Co. bei jedem Pferd auf einer anderen Rangliste. Auch Witterung, Gesundheitszustand, Medikamente und viele andere Faktoren beeinflussen die pferdinterne Rangliste.  Es kann also sein, dass sich dein Pferd sehr gut mit  Hafer belohnen lässt, dieser im Hochsommer aber an Wertigkeit verliert, was sehr wahrscheinlich an der trockenen Beschaffenheit liegen könnte. Oder dein Pferd frisst sehr gern Möhren - im Sommer, wenn es den ganzen Tag auf der Wiese steht, bevorzugt es jedoch trockene Heucobs. Es liegt in deiner Verantwortung genau hinzusehen, was TATSÄCHLICH belohnend für dein Pferd wirkt. Denn Futter ist eben nicht gleich Futter!

Verhaltensökonomie

Ein Verhalten, welches deinem Pferd viel abverlangt muss höherwertig belohnt werden, um dieses aufrecht zu erhalten, als ein Verhalten was dein Pferd nicht viel "kostet". So kann ich Finn zum Beispiel durchaus mit Brotwürfeln fürs Stillstehen beim Putzen belohnen - soll er jedoch ordentlich wippen müssen  es schon gequetschter Schwarzhafer oder geschnittene Möhren sein. Auch die Menge der Belohnung pro Verhalten hat einen limitierenden Einfluss auf die Auftretenswahrscheinlichkeit des gewünschten Verhaltens in gewünschter Qualität des nächsten Durchgangs. Soll Finn also 10 ordentliche Wipp Wapps auf der Wippe zeigen und ich belohne mit einer winzigen Menge Hafer, wird es nicht lang dauern bis der schöne Fuchs eine Kosten-Nutzen-Rechnung für sich anlegt, die das Wippen als "heute nicht lohnend" einordnet. 

Highlightbelohnung - dein Pferd entscheidet

Zu Beginn des Jahres bestellte ich sehr, sehr hochwertige Kekse für meine Pferde. Mit denen würden die Langohren gern mitarbeiten. Der Vorteil für mich lag in der einfacheren Handhabung im Training, da die Kekse viel schöner und so viel sauberer zu dosieren waren als Hafer. Toll also, dass sie auch so hochwertig für die Pferde waren. So dachte ich zumindest!

Finn stand wieder einmal auf der Wippe als ich freudestrahlend meine neue Errungenschaft aus der Futtertasche zog. Er nahm die Kekse genau 3 Mal, dann stieg er von der Wippe. Ich bat ihn erneut aufzusteigen - nach 2 halbherzigen Wipp Wapps stieg er erneut ab und schlenderte Richtung Wiese. "Nö, heute nicht!" schien er zu denken. Ich stand wie angewurzelt neben meiner nun leeren Wippe und verstand die Welt nicht mehr. Ich hatte doch extra sehr hochwertige Leckerlis bestellt...

Ich leerte meine Taschen und befüllte diese mit meinem schnöden Schwarzhafer, trottete zu meinem grasenden Finn und fragte, ob er vielleicht doch noch ne Runde Wippen wolle. Fürs Kopf hoch nehmen schob ich ihm eine handvoll Hafer ins Maul. Er folgte mir, stieg auf die Wippe und wippte wie immer prima.

Dieses Schlüsselerlebnis war für mich einschneidend. Es zeigte mir einmal mehr und sehr eindrucksvoll, dass eben weder der Futterhersteller, noch wir entscheiden WAS hochwertig für unsere Pferde ist. Allein das Pferd entscheidet, für welches Futter es welches Verhalten zeigt. 

So viel Aufwand - ist das nötig? 

Ich habe das große Glück die Braunbären in unserer Stadt trainieren zu dürfen. Im ersten Training haben wir mit Mandarinen belohnt. Der Erfolg war mäßig, die Bären stiegen nach wenigen Minuten Training aus und wandten sich anderen Tätigkeiten zu. Wir stiegen auf Trockenfutter um und hatten die Bären im Boot. Als wir dann jedoch das getrocknete Geflügel in die Futtertaschen füllten ging das Training sprunghaft voran. Trainierte Verhalten konnten in kürzester Zeit mit deutlich weniger Wiederholungen ausgebaut werden. 

Wenn man so effektiv wie möglich trainieren möchte bei einem Minimum an Wiederholungen, dann ist es den Aufwand auf jeden Fall wert. sich Gedanken über Wertigkeiten seiner Futterbelohnungen zu machen. 

verschiedene Wertigkeiten im Training - Training 2.0

Viele meiner Kunden investieren nach einigen Trainings mehr Zeit in die Auswahl der Belohnungen für ihre Pferde. Mit großem Erfolg, so lernt ein Pferd um ein Vielfaches schneller, dass es für einen ruhig gehobenen Hinterhuf z.Bsp. 3 Möhrenstücke bekommt, hingegen ein ruckartig hoch gezogenes Hinterbein nur eine kleine Portion Heucobs bringt. Wenn die Möhrenstücke vom Pferd also als hochwertiger eingestuft werden als die Heucobs wird die Rechnung innerhalb kürzester Zeit aufgehen und das entspannte Hinterbein geben wird deutlich lohnender fürs Pferd und somit häufiger gezeigt. 

Futter und Gesundheit  

Sicher spielt die Wirkung eines Futters im Pferd auch eine entscheidende Rolle bei der "Für und Wider Entscheidung". Einige Pferde leiden an Unverträglichkeiten, Krankheiten, haben Zahnprobleme oder andere Leiden, die bei der Belohnungsfutter-Entscheidung eine tragende Rolle spielen. Die Auswahl an Belohnungsmöglichkeiten lassen jedoch trotz einiger Abstriche für einige Pferde eine sehr große Bandbreite an Belohnungen zu, sodass es sich in jedem Fall lohnt, auch mit eingeschränkten Pferden, über ein kleines Repertoire an Belohnungen nachzudenken. 

Fazit

Futter ist nicht gleich Futter. Die Auswahl der angebotenen Belohnungen machen einen großen Unterschied im Training mit deinem Pferd. Lohnt sich das Training für dein Pferd (und passen deine Anforderungen an dein Pferd) wird es motiviert und ausdauernd am Training teilnehmen. Steht das angebotene Futter jedoch in einem Missverhältnis zum Training wird sich dein Pferd des Öfteren anderen Beschäftigungen widmen deinem Training nur sehr unmotiviert folgen. Es lohnt sich also sehr seine Belohnungshappen stets unter die Lupe zu nehmen. 

 

In diesem Sinne wünsche ich euch ein leckeres Trainieren.

 

eure Nadine von Pferd (H)und Mensch

 

 

 


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